Institut für Menschen mit Esstörungen
Beratungs- und Informationszentrum für Essstörungen
 

 

Statements

BM Dr. Andrea Kdolsky:
„Essstörungen sind ein Hilferuf der Seele“

 
   
Foto: Welldone

Essstörungen sind ein Hilferuf der Seele und sichtbarer Ausdruck dafür, dass die Betroffenen – in der Mehrzahl Mädchen und Frauen - mit ihrem Leben nicht zurecht kommen. Das zeigt sich in einem gestörten Verhältnis zum Essen und zum eigenen Körper.

Meist führen mehrere Faktoren zur Entstehung von Essstörungen. Einer davon ist das Schönheitsideal extremer Schlankheit in der westlichen Welt, das für die meisten Frauen unerreichbar geworden ist. Viele junge Frauen, aber auch Männer, leben daher ständig mit dem Gefühl zu dick zu sein und empfinden ihren Körper als fehlerhaft. Das Selbstvertrauen sinkt, Diäten werden begonnen, was oft bereits eine Vorstufe späterer Essstörungen ist.

Daneben spielen persönliche, familiäre, soziale und biologische Faktoren eine wichtige Rolle, etwa Spannungen und Probleme in der Familie, der Druck unter Gleichaltrigen, geringes Selbstwertgefühl, aber auch körperliche Störungen der Hunger- und Sättigungsregulation aufgrund hormoneller Störungen sowie fehlender Essensrituale.

Essstörungen sind in jedem Fall ein ernstzunehmendes psychisches Problem das häufig von schweren körperlichen und psychischen Folgeerkrankungen begleitet wird: z. B. Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Osteoporose, Depressionen, Selbstverletzungen u. v. m.

Menschen mit Essstörungen sollten daher unbedingt professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, wie sie u.a. von "sowhat", dem Institut für Menschen mit Essstörungen, geboten wird. Vor allem aber brauchen sie das Verständnis ihrer Mitmenschen. Die aktuelle Essstörungs-Kampagne ist somit nicht nur ein wesentlicher Beitrag zur Prävention von Essstörungen, sie dient auch der dringend notwendigen Aufklärung und Sensibilisierung der Bevölkerung für diese Erkrankungen.

Auf den Punkt gebracht:

„Essstörungen sind ein körperlich sichtbarer Hilferuf der Seele.“

„Falsche Schönheitsideale, persönliche, soziale und biologische Faktoren spielen zusammen.“

„Essstörungen sind schwerwiegende psychische Probleme und haben häufig gravierende körperliche Folgeerscheinungen.“

„Menschen mit Essstörungen brauchen dringend professionelle Hilfe und verdienen das Verständnis der Gesellschaft.“

Zur Person:
Dr. Andrea Kdolsky studierte zunächst Rechtswissenschaft und Handelswissenschaften, ehe sie im Jahr 1986 als "Spätberufene" ihr Medizin-Studium an der Universität Wien absolvierte. Es folgten ein Lehrgang für Krankenhausmanagement und Ökonomie an der Wirtschaftsuniversität Wien sowie der Lehrgang „Prozessorientiertes Qualitätsmanagement“ am WIFI Wien. Von 2001 bis 2004 war sie Oberärztin an der Universitätsklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie. Nach einem kurzen beruflichen Zwischenspiel als stellvertretende Geschäftsführerin des Bundesinstituts für internationale Bildungs- und Technologietransfers (BIB) wechselte Kdolsky im Jahr 2005 in die NÖ Landeskliniken-Holding, der sie ab März 2006 als medizinische Geschäftsführerin vorstand. Seit Jänner 2007 ist sie Bundesministerin für Gesundheit, Familie und Jugend.

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